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01. Mai 2011

Braid vs. Mono

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Das wichtigste Verbindungsglied zwischen uns und dem Fisch stellt die Schnur dar.
Unzählige Produkte sind auf dem Markt erhältlich und es ist nahezu unmöglich den Überblick zu behalten.

Dennoch ist es wichtig, die Schnur den Gegebenheiten am Wasser anzupassen und auf die jeweilige Angelsituation abzustimmen.
Daher möchte ich mich mit dieser komplizierten Thematik beschäftigen und auf die Verwendung von Mono, Braid und Schlagschnüren eingehen.

Mono
Die monofile Schnur ist mit Abstand am weitesten verbreitet und deckt nahezu jeden Anwendungsbereich des Karpfenangelns ab.
Schaut man sich die Produktvielfalt an, so gibt es alle erdenklichen Farben. Von Weiß, über Grün, bis hin zu Schwarz oder sogar Camouflage.
Natürlich ist es sinnvoll, die Schnurfarbe dem Gewässergrund anzupassen, viel entscheidender ist es aber sich Gedanken zu machen, welche Eigenschaften die gewählte Schnur haben soll.
Ein Produkt, welches alle positiven Eigenschaften wie geringe Dehnung, gute Sinkeigenschaft, maximale Abriebfestigkeit und Knotenfestigkeit, sowie Geschmeidigkeit für maximale Wurfweiten vereinigt, muss noch erfunden werden.
Es gilt also immer einen Kompromiss zu finden!

Harte Mono-Schnüre haben den Vorteil, dass sie sehr Abriebfest sind, in der Regel weniger Dehnung besitzen und durch Ihr Gewicht schneller sinken und sich somit auf den Gewässergrund legen.
Leider sind harte Mono-Schnüre auch immer etwas steifer. Dies führt nicht nur dazu, das sie eine schlechtere Wurfeigenschaft besitzt, sondern auch schneller von der Spule springt und eine Perückenbildung wahrscheinlicher wird.

Mit solchen Problemen muss man sich bei einer weichen Mono-Schnur nicht herumschlagen. Sie ist wesentlich geschmeidiger, liegt gut auf der Spule und ermöglicht weitere Würfe.
Diese positiven Eigenschaften gehen aber auf Kosten der Abriebfestigkeit. Nicht nur die Dehnung ist größer, sondern auch die Sinkeigenschaften werden mit zunehmender Geschmeidigkeit geringer.

Für uns Karpfenangler ist es also wichtig, vor dem Schnurkauf zu entscheiden, welche Kriterien die neue Schnur mitbringen soll.
Auch der Schnurdurchmesser und die Tragkraft sollten mit berücksichtigt werden und es unbedingt notwendig, dass man seiner Schnur vertrauen kann.
Denn es bringt nichts, bei jedem Ansitz neues Material zu verwenden ohne die Grenzen zu kennen. Vertrauen ist wichtig, dazu die Erfahrung mit dem Material und man weiß wo die Grenzen der Belastbarkeit liegen.

Braid
Geflochtene Schnür spielen Ihre Stärken in ganz anderen Bereichen aus.
Primär sind es die hohe Tragkraft bei geringerem Schnurdurchmesser, die sie für uns so interessant machen. Ein Schnurdurchmesser von 0.18 bis 0.22 Millimeter reicht für die Verwendung als Hauptschnur schon vollkommen aus.
Die erhöhte Schnurkapazität unserer Rollenspule ermöglicht somit auch das Angeln in weiten Distanzen. Auch die Biss-Indikation wird dank der minimalen Dehnung beim Long-Range-Fischen keineswegs problematisch und im Drill hat man einen viel direkteren Fischkontakt.
Der Vorteil der Geflochtenen erfordert aber auch – gerade in der Endphase des Drills – unsere erhöhte Aufmerksamkeit. Während Mono-Schnüre Fehler verzeihen und oftmals die fehlende Kontrolle des Anglers mit Ihrer Dehnung wieder ausgleichen, ist die Fehlertoleranz einer geflochtenen ungleich Geringer. Es ist also notwendig, jederzeit aufmerksam der Fisch zu führen, den Kontakt aufrecht zu halten und in der Endphase des Drills die Bremse etwas weiter zu öffnen um plötzliche Fluchten besser abfedern zu können.

Ganz wichtig für die Verwendung als Hauptschnur sind die Sinkeigenschaften.
Die jedoch hängen von dem Dynema Anteil einer geflochtenen ab und sind keineswegs in jeder geflochtenen enthalten.
Solltet Ihr aber ausversehen doch noch irgendwo schwimmende geflochtene Schnur besitzen, so gibt es mindestens vier Situationen, wo sie bestens verwendet werden können.
1. Beim ausloten des Gewässers mit einem Marker
2. Beim anfüttern mit der Futterrakete
3. Beim angeln mit Pose bzw. Controller
4. Bei Verwendung einer Sub-Float Montage

Oft Unterschätzt: Die Dehnung
Größtenteils unterschätzt wird die Tatsache wie extrem sich die Dehnung auf die Bissindikation auswirkt.
Immer wieder höre ich, wie Angler Ihre Montagen direkt von Hindernissen in mehreren hundert Metern Entfernung platzieren, die Bremse schließen und sich sicher sind den möglichen Fisch landen zu können. Oft werden die Schnüre dann noch stark gespannt.
Wenn dann tatsächlich der Biss kommt, hat man entweder Glück und der Fisch schwimmt in die andere Richtung oder die Überraschung ist groß, wenn der Karpfen schon im Hindernis festsitzt, bevor die Rute überhaupt aufgenommen wurde.

Mir selber ist erst vor einigen Jahren ein Licht aufgegangen. Bei der Angelei auf extreme Distanzen in Echternach musste der Fisch sieben Meter Schnur nehmen, bevor ich überhaupt die erste Indikation am Bissanzeiger bekam.
Ein Vergleich zwischen einer geflochtenen und einer monofilen Schnur kann sehr aufschlussreich sein.
So habe ich unter absolut identischen Bedingungen die Shimano Technium mit der Suffix Gyro verglichen.
Schon auf 150 Metern Distanz muss der Fisch 1,5 Meter monofile Schnur nehmen, bevor wir die erste Indikation am Ufer bekommen.
Bei der geflochtenen Schnur hingegen, reichen schon 10 Zentimeter.
Wenn man jetzt auch noch berücksichtigt, dass bei windigen Verhältnissen ein Schnurbogen hinzukommt und wir oft in weitaus größeren Distanzen angeln, ist der Versatz zwischen Köderaufnahme und Indikation noch gravierender.
Liegt der Köder im Freiwasser und fischen wir mit einer normalen Selbsthakmontage ist es egal, wie schnell wir etwas von der Köderaufnahme bemerken. Wenn man aber vor Hindernissen angelt kann der erste Ton des Bissanzeiger schon zu spät sein und der Fisch hat sich festgesetzt.

Die Schlagschnur
In vielen Situationen macht die Gegebenheiten am Wasser die Verwendung einer Schlagschnur unumgänglich.
Dabei sollte man aber mit Bedacht vorgehen und nicht einfach blind immer die selbe Schlagschnur verwenden. Denn, letztendlich schwächt jeder Knoten unsere Montage und ist ein zusätzlicher Schwachpunkt.

Fischen wir mit dünner Schnur und müssen auf weite Distanzen werfen, empfiehlt es sich immer eine Schlagschnur als Shockleader zu verwenden.
Die Meinungen, ob der Schockleader aus Mono oder aus Braid sein sollte gehen oft auseinander. Ich persönlich bevorzuge als Schockleader eine geflochtene Schnur, wie beispielsweise die Arma Kord von Korda.

Aber nicht nur für Gewaltwürfe bietet die geflochtene Schlagschnur einige Vorteile.
Durch ihre Oberflächenstruktur kann sie auch die erste Wahl in krautigen Gewässern und bei dünnen Seerosenfeldern sein. Das Geflecht sägt sich dann wunderbar durch die Hindernisse und verhindert somit den Fischverlust.

Anders hingegen sieht es schon aus, bei dickeren Seerosenfeldern. Hier sind die Stengel oft so dick, dass ein geflochtenes Material dem nicht gewachsen ist und sich festsetzen würde.
Hier ist die monofile Schlagschnur meine erste Wahl.
Denn sie sägt sich nicht in die Stängel sondern gleitet an Ihnen ab.
Auch bei Holz, Muschelbänken oder scharfen Kanten ist die monofile Schlagschnur der geflochtenen Überlegen.

Abhängig von der Schlagschnur sollte man auch den Verbindungsknoten wählen.

Albright Knoten
Der Albright Knoten eignet sich bestens um eine geflochtene Hauptschnur mit einem geflochtenem Schockleader zu verwenden.

Mix Knoten
Der Mix Knoten ist meine erste Wahl zur Verbingung einer Mono Hauptschnur mit einer dicken Mono Schlagschnur.

Doppelter Grinner
Der Knoten meiner Wahl wenn zwei geflochtene Schnüre miteinander verbunden werden sollen.

Leider lässt sich bei der Verwendung von Schlagschnüren ein unschöner, teils recht großer Knoten auf der Rollenspule nicht vermeiden.
Dieser ist nicht nur hinderlich beim auswerfen der Montagen, sondern auch dann, wenn wir unsere Montagen mit dem Boot auslegen und anschließend zurück an Land fahren.
Immer wieder kann es passieren, dass die Schnur am Knoten hängen bleibt und somit entweder die Wurfweite reduziert wird, oder die abgelegte Montage verzogen wird.
Hier kann mal sch aber ganz leicht helfen, indem wir den Schlagschnurknoten immer am unterem Ende der Rollenspule platzieren.

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