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Ein guter Fang

Come down

Das ist es doch, worum es eigentlich geht in einem guten Hobby: Runter kommen, abschalten, im Team arbeiten, sich gegenseitig vertrauen, den Stress zu Hause und die Seele baumeln lassen, oder heute bekannt auch unter den Synonym „Chillen“. Ein Hobby sollte doch steht’s ein guter Ausgleich zu unserem sonst meist stressigem Alltag sein, oder? Leider habe ich jedoch das Gefühl, dass der Stress bei vielen am Wasser gar nicht wirklich endet. Die Alltagssorgen und der Gesellschaftsdruck, den wir früher zu Hause gelassen haben, scheinen einen heute überall hin zu verfolgen und viele Angler zu verändern.

Jeder möchte einen tollen Fisch fangen und natürlich am liebsten auch viele – mehr und größer als alle anderen.

Doch mit solchen Ansprüchen und diesem Druck kann man auf Dauer nur unglücklich werden. Wir alle wissen, dass es nicht einfacher wird, Erfolg zu haben. Die Hauptsache scheint zu sein, irgendwie sein Ziel zu erreichen und am Ende aus der Masse hervorzustechen. Ganz nach dem Motto „koste es was es wolle – immer auf der Suche nach dem nächsten Kick“.

Der Grund: Wer viele dicke Fische fängt und regelmäßig Erfolg hat, bleibt im Gespräch und bekommt reichlich Anerkennung. Somit wird jene beschriebene Einstellung automatisch positiv verstärkt. Ob die Anerkennung in der Szene echt ist, bleibt eine andere Frage?

Doch, wenn man mal ehrlich ist, ist derjenige, der den dickeren Fisch fängt nicht gleichzeitig der schlauere, bessere oder coolere Angler. Und trotzdem: Die Angler mit kleineren Fischen erhalten keine „Gefällt mir“-Klicks auf Facebook. Dabei habe ich eine lange Liste von kleinen Fischen, die viel schwieriger zu fangen waren, als die ganz dicken Brocken. Nein heute heißt es eher 20 Kilo – 20 Sekunden – 20 „Gefällt mir“-Klicks.

Was wir dabei nicht merken ist, dass durch unser Handeln gleichzeitig auch die Ansprüche der Leute immer weiter steigen. Dafür gehen viele Leute sogar über Leichen. Viele stumpfen immer mehr ab, werden unsensible und prägen ihren Egoismus aufs weitere von Tag zu Tag. Und was passiert mit dem Rest der Leute? Viele ziehen mit dem unaufhaltsamen Strom, nur wenige gehen ihren eigenen Weg, bleiben unabhängig, echt und verletzlich. Nicht selten bleibt der letzte Satz: Wie soll man da noch mithalten können?

Vergessen wird eine wichtige Grundregel: Angeln ist kein Wettkampf!

Um wirklich runter zu kommen verbringe ich meist meine Wochenenden mit meinen Freunden an neuen Gewässern – weit ab von anderen Anglern. Auch wenn ich unter der Woche an meinen Hausgewässern unterwegs bin, versuche ich tagsüber ein paar Stunden ausschließlich allein zu angeln. Allerdings gestaltet sich dies seit längerer Zeit auch immer schwieriger. Da ich kein Freund von nächtlichen Futteraktionen und Geheimnissen bin, scheinen viele Leute dies auszunutzen statt zu schätzen zu wissen. Mir geht es nicht darum das diese Leute einen Fisch mehr als ich fangen könnten, nein ich möchte einfach nur nicht in meiner Angelei bewusst eingeschränkt bzw. sogar von hinten rum vertrieben werden. Schließlich möchte ich runter kommen, abschalten und mich nicht mit Geiern um eine Beute schlagen. Wenn es mir zu stressig wird gehe ich lieber zum Rückzug über. Was am Ende bleibt, ist aber meist eine große Enttäuschung.

Dann kann ich die Dinge wieder als Außenstehender betrachten und mache mir meine Gedanken darüber, wie ich in Zukunft solche Probleme angehen werde. Ein guter Angler bleibt für mich nämlich jener mit menschlichen Charakterzügen und einer gesunden Absicht und auch Ansicht zwischen Gut und Böse. Diese haben viele schon lange verloren.

Doch nicht nur wir sollten bei unserem Hobby richtig runter kommen, nein auch meine Schnur sollte zu 90% der Fälle beim Angeln immer in Grundnähe sein, soweit keine Hindernisse im Wasser sind. Wer schon mal Unterwasser mit einer Taucherbrille eine Angelschnur gesehen hat, wird meine Bedenken verstehen können. Selbst für uns bleibt unsere Schnur selbst auf weiter Entfernung gut sichtbar. Für einen Fisch, der sich in seiner natürlichen Umgebung aufhält können Veränderungen und Unterschiede im Wasser umso schneller wahrgenommen werden. Doch mit passendem Zubehör können wir versuchen die Umgebung des Fisches nicht großartig zu verändern. Mein Vorgehen dafür könnt ihr in der dazugehörigen Bilderreihe sehen.

Ich wünsche euch viel Spaß am Wasser.

Avid Carp - Line Dropper - 1Avid Carp - Line Dropper - 2Avid Carp - Line Dropper - 3

Avid Carp - AbsenkbleiAvid Carp - Absenkblei und WeisheitRaus das Ding

Datum
02. Juli 2013
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