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Technik im Bivvy - Alltag

Digitale Nerds!

Aus Hobby wird Sucht – aus Sucht wird Krankheit.

Pierre-Michel Lehe hat sich Gedanken über die wahren Werte eines Anglers gemacht und beschäftigt sich beruflich schon seit längerer Zeit mit den Folgen der „Digitalen Sucht“ von Menschen. Anscheinend sind wir Angler mittlerweile auch davon betroffen.

Ein Leben in einer virtuellen Welt gehört in der heutigen Generation anscheinend einfach zu unseren Freizeitaktivitäten dazu. Wer auf dem aktuellen Stand bleiben möchte, muss im Internet aktiv bleiben, oder etwa nicht?

Zumindest wird es uns so vorgelebt. Noch nie haben uns digitale Medien mehr beeinflusst als heute.

Zu einem perfekten Angelwochenende gehören nicht mehr die besten Freunde, ein Grill, ein kühles Bier oder meinetwegen auch Tee. Nein, lieber wird eifrig dem größten Karpfen des Gewässers hinterhergejagt. Soziale Kontakte scheinen hier meist fehl am Platz. Eher werden aktuelle Geschehnisse schnellst möglich per iMac direkt ins Internet übertragen. Sprich hunderte von Menschen erfahren von unserem tollen Fang – Familie, Freunde oder das Drumherum spielen dabei keine Rolle. Somit besteht unsere Motivation und unsere Begeisterung im Angeln von Fremden und wird auch von genau diesen gesteuert – schließlich möchte man ja dazu gehören. Wenn alles gut läuft gibt es anschließend auch eine Menge „Gefällt-mir-Klicks“ und das Ganze wird zu einer runden Sache.

Nun kommt nämlich unser Belohnungssystem zum Einsatz und umso mehr Klicks unser hochgeladenes Bild erhält, umso mehr werden wir bestätigt alles richtig gemacht zu haben.

Natürlich strebt jeder Mensch nach etwas Anerkennung und Aufmerksamkeit. Doch genau diese Werte sollten wir für uns besser selber festlegen, als uns etwas vorgaukeln zu lassen. Ich meine sprichwörtlich: selber denken und bewerten und nicht andere machen lassen.

Wie viele Freunde habt ihr in eurem „Social Network“? Mit wie vielen von ihnen fahrt ihr wirklich Angeln? Wen habt ihr davon wirklich jemals getroffen bzw. die Hand geschüttelt? Und wenn ja, wie beurteilen wir unsere genannten Freunde wirklich? Im realen Leben entsteht eine Freundschaft nicht einfach aus dem Nichts, dafür braucht es nämlich gemeinsame Erlebnisse, Geschehnisse, die einen zusammenwachsen lassen, Sympathie, auf einer Wellenlänge sein. Eine normal menschliche Beziehung durchläuft einen Prozess und mehrere Stadien, die mit Gefühlen zu tun haben. Allerdings finden diese in einer virtuellen Welt meist gar nicht mehr statt. Das Problem: Unsere Freundschaften werden unecht und unser Gefühlsleben wird unterdrückt, es entsteht ein wirklicher Mangel und im schlimmsten Fall verändert genau dies sogar unseren Charakter. Nicht selten wirken solche Menschen gestresster und neigen zu mehr Oberflächlichkeit.

Ein Leben lediglich auf „Gefällt-mir-Klicks“ aufzubauen, Informationen aufzusaugen und wieder auszuteilen, fremde Menschen als Freunde zu bezeichnen – genau diese Faktoren können unseren guten Charakter mit der Zeit kaputt machen. Unser Gefühlsleben verkümmert und wir stumpfen immer mehr ab.

Konflikte werden besonders gerne im Internet ausgetragen – siehe Facebook, Foren, etc.! Dort wird gelästert, unterschwellig interveniert und subtil oder auch ganz offensichtlich in bestimmte Richtungen gelenkt. Aber warum auch nicht? Schließlich steckt unser zweites „Ich“ die Konsequenzen doch locker weg. Emotionen und Echtheit sind hier Fehl am Platz.

Ja, im Grunde bauen wir uns eine zweite perfekte oder manchmal eben nicht so perfekte Persönlichkeit im Internet auf. Natürlich wird nicht jeder, der ein soziales Netzwerk besucht zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Wir sollten mit unserer Freizeit und unserem Handeln im Internet einfach bedachter umgehen und auf unsere Werte besser aufpassen. Lieber sollten wir unsere Zeit und unsere Energie die heutzutage an so vielen Kanten und Ecken sprichwörtlich verbraucht werden, in echte menschliche Beziehungen stecken. Denn ein „Gefällt-mir-Klick“ wird niemals so viel bedeuten wie ein echtes Schulterklopfen eines guten Freundes nach einem tollen Fang.

Digitale Werte

Unglaublich wie viele Jugendliche ihr Geld mittlerweile lieber in teures Tackle, einen Computer oder eine teure Kamera investieren, anstatt sich einen unvergesslichen Angelurlaub mit einem Freund zu gönnen. Erlebnisse und Erfahrungen, die wir am Wasser machen, die Menschen die wir dort kennenlernen, das ist doch das was zählt – tolle Erinnerungen, von denen wir wirklich lange zehren können. Eine Bewertung unseres Fotos wird in Kürze aus unserem Gedächtnis wieder erloschen sein.

Achten wir lieber darauf uns selbst zu verwirklichen und nicht unser zweites Ich ständig mit neuem Input zu füttern. Nicht das angesagteste Produkt muss gleichzeitig immer das bessere sein. Machen wir lieber das Beste aus unseren Fähigkeiten und wählen die goldene Mitte. Auch unser Hobby wird uns wieder realer erscheinen und sich früher oder später erkenntlich zeigen. Schließlich sind wir Angler. Menschen die sich von genau diesen digitalen Werten abgrenzen können. Machen wir uns bewusst warum wir uns für genau dieses Hobby entschieden haben und lassen wir uns nicht von der virtuellen Welt unsere wahren Werte nehmen.

Werden wir nicht zu digitalen Nerds, stumpfen wir nicht ab, behalten wir Geheimnisse, stehen wir zu unseren Fehlern, denn nur so bleiben wir, wir selbst!!