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Tour de Doubs 2

Fernweh!

Und jährlich grüßt das Murmeltier – um genauer zu sein das Fernweh! Mal früher – mal später im Jahr, zieht es mich abseits meines Vereinssees an neue Ufer mit neuen Abenteuern und Herausforderungen. Raus aus dem wöchentlichen Trott, bei dem das Tackle vollautomatisiert seinen Weg an das Wasser findet und bei dem man immer das gleiche Panorama vor dem Zelt erblickt.
Zugegeben, zu Beginn jedes Angeljahres startete auch ich meine Session an den gut besetzten Vereinsseen um die ersten Karpfen im Fangbuch notieren zu können. Am Wasser an dem ich jedes Gebüsch beim Vornamen kenne, wo jedes Feature- und jeder Hotspot längst nicht mehr geheim sind.

Doch 2012 merkte ich bereits im Frühjahr, dass mir ein kleines Abenteuer fehlte.
So begann ich mich, früher als all die Jahre zuvor, mit Informationen über entfernte Gewässer im Ausland und den damit verbundenen Abenteuern einzudecken. Es sollte nicht um dicke Brocken gehen. Nein, die dicksten Fische fängt man meiner Erfahrungen nach eh besser in der vertrauten Umgebung. Da ich bereits im Mai schon drei Fische über 20 Kg in meinem Kescher begrüßen durfte war ich diesbezüglich auch tiefenentspannt.

Da ich normalerweise die heimische Baggerseeromantik genieße, sollte dieses Jahr pure Natur im Fokus meiner Reise stehen. Kein See mit Freizeitsport, kein Mekka an dem sich Karpfenangler Tag ein Tag aus die Klinke in die Hand geben, kein eingezäunter- und gut besetzter Teich mit benamten Karpfen.
Da ich bei solchen Trips ungern alleine losziehe musste ein geeigneter Angelpartner her. Dieser war schneller gefunden als gedacht. Ein guter Freund, der mich auch regelmäßig am Vereinssee begleitet, willigte sofort ein. Ein leidenschaftlicher Welsangler, der im Sommer gelegentlich auch auf unsere Freunde fischt. Für ihn stand jedoch fest, dass wir nur an ein Gewässer fahren können, wo wir Wels- und Karpfen zugleich in ausreichender Größe und Anzahl vorfinden können.

Der erste Gedanke viel auf Italien, der Po bietet bekanntlich alles was das Anglerherz begehrt. Durch die Urlaubsplanung meines Arbeitgebers und die nahende Schonzeit für Karpfen schien dieser Plan aber nicht umsetzbar. So entschied ich mich einen kurzen Aufruf auf Facebook zu starten und staunte nicht schlecht, wie auskunftsbereit doch noch viele Angler sind. Ich erhielt reichlich detaillierte Informationen über Gewässer in ganz Europa! Dafür erstmal ein großes Dankeschön an dieser Stelle!
Maas, Saone, Rhone etc. – viele Informationen die es erstmals zu verarbeiten galt. Schlussendlich entschieden wir uns für den Doubs. Einem französischen Fluss, der in die Saone mündet und über den wir nicht mal viele Infos erhielten. Doch irgendwie war uns dieser Fluss sympathisch. Informationen über das Nachtangeln hatten wir keine. Wie sich später herausstellte ist dies an der gesamten Doubs verboten.

Der Doubs ist 453 km lang, wobei Quelle und Mündung nur 90 km Luftlinie voneinander entfernt liegen. Er entspringt auf einer Höhe von 937 m am Fuße des Mont Risoux bei Mouthe in der Nähe der Schweizer Grenze, durchfließt in seinem Lauf den Grenz-Stausee Lac de Moron in Richtung Delémont, wobei er ab Les Brenets die Grenze zur Schweiz bildet und auf einem kurzen Stück von ca. 29 km ganz zu einem Schweizer Fluss wird. Bei Ocourt, und Brémoncourt auf der französischen Seite, verlässt der Doubs das Schweizer Terrain.
Die Geschwindigkeit der Strömung des Doubs ist nicht beständig, an manchen Stellen fließt er ruhig mit nur 5 km/h, an anderen erreicht er Spitzengeschwindigkeiten bis zu 12 km/h. Die Flussbreite ist auch sehr unterschiedlich von 6 bis 30 Metern (Durchschnitt) und bis zu 200 Metern Breite an einigen Stellen. Die Umgebung ist weitgehend menschenleer und wegen der umliegenden Wälder und Juraberge schwer zugänglich. Bei Verdun-sur-le-Doubs etwa 16 km nordöstlich von Chalon-sur-Saône mündet er schließlich in die Saône.
Genau an der Mündung bei Verdun-sur-le-Doubs sollte unser Startpunkt sein. Wir informierten uns frühzeitig mit Hilfe von Google Earth über die Lage und die umliegenden Ortschaften. In der nähe eines Campingplatzes entdeckten wir eine Slipstelle um unser Boot zu Wasser zu lassen. Der Campingplatz sollte gegen eine Gebühr von 2,50 € pro Tag auch als sicherer Platz für Trailer und Auto dienen.
Nach einer langen Anreise, bei der wir mit dem großen Boot auf dem Trailer nicht schneller als 80km/h über Autobahnen fahren konnten, erreichten wir nach 10 Stunden Fahrt unser Ziel um 4 Uhr nachts. Die übrigen Stunden bis zum Öffnen des ansässigen  Angelladens nutzten wir für ein kurzes Schläfchen im Auto. Direkt im Ort, bei einem freundlichem Angelgerätehändler, konnten wir dann am Morgen unsere Lizenzen erwerben und bekamen auch die Information, dass das Angeln nur von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends gestattet sei. An diese Regel hielten wir uns auch ausnahmslos, da erfahrungsgemäß mit den französischen Kontrolleuren nicht gut zu verhandeln ist.
Nachdem wir unser Boot an der Saône zu Wasser gelassen hatten, starteten wir unseren 35 PS Motor und fuhren an der Gabelung des Doubs ca. 10 km zur Spotsuche flussaufwärts.

Überwältigt von der Artenvielfalt der Natur, Wasservögel und den riesigen Seerosenfeldern fanden wir unseren Angelplatz, welcher sehr schön gelegen unter ein paar Weiden lag. Wir wollten es vor- und in den Wasserpflanzen versuchen, die Welsmontagen sollten in den Bereichen vor umgestürzte Bäumen im Wasser ihren Platz finden.
Nach ausgiebiger Suche mit dem Echolot entschied ich mich die zur Verfügung stehenden vier Ruten zu streuen. Eine wollte ich im Bereich eines Seerosenfeldes ablegen, eine an der Kante zur Hauptströmung, sowie eine in der Hauptströmung.  Mit der vierten Rute entscheid ich mich fremdzugehen. Mit einem Döbel, der schnell auf Boilie einstieg, versuchte ich mein Glück an einem versunkenen Baum mit der Abreißmontage. Je nach Spot und damit verbundenen Strömung nutzte ich die Grip Leads der Firma Carpleads ab 140 bis 280 Gramm. Weiterhin verwendete ich Backleads von 80 Gramm um vorbeifahrende Boote, welche mit teils 150 PS motorisiert sind, nicht zu behindern.
Bei Futter entschied ich mich für fischige Boilies um mich dem natürlichen Futterangebot am Fluss anzupassen. Auf jeden Spot verteilte ich ca. 3 Kg Ultimate Liver Baits. Dieser Boilie der Firma WF-Baits begleitete mich schon das ganze Frühjahr. Bereits durch die in Deutschland gesammelten Fangergebnisse vertraue ich diesem Köder mehr als 100%. Was zu Hause funktioniert kann somit in der Ferne auch nicht schlecht sein. So zumindest meine Erfahrung bislang!
Jetzt werden sich einige fragen warum ich so wenig Futter im Fluss benutze?
1. Der Doubs ist ein sehr langsam fließender Fluss – somit bleiben die Köder am Platz liegen.
2. Die Laichzeit stand kurz  bevor.
Beide Punkte sprachen für weniger Futter. Sofern die Fische gefunden sind und diese auch fressen, könne man immer noch nachlegen.

Die erste Bisse stellten sich schnell ein. Aufgrund der vielen Döbel gab es morgens und  abends wahre Beißorgien dieser kleinen Plagegeister. Mein Freund lächelte nur und sah sie schon von einem seiner Zielfische eingesaugt!

Durch die vielen Bisse der Döbel erhöhte ich die Futtermenge auf täglich 5 Kg pro Spot und am Mittag des zweiten Tages verneigte sich meine alte Greys Prodigy und die Big Baitrunner gab knackend die Schnur frei. Nach einem schönen Drill mit dem Boot mitten auf dem Fluss glitt mein erster französischer Flusskarpfen über denn Kescherrand. Dieses Gefühl bestätigte mich alles richtig gemacht zu haben und diese Tour an den Doubs überhaupt angetreten zu sein. Am wilden Fluss, ohne genaue Informationen einen Fisch in die Kamera zu halten war einfach unvergleichbar und etwas völlig anderes als meine gewöhnliche Angelei in der Heimat!

Es blieben uns weitere 48 Stunden unseres Kurzurlaubes um weitere Fische folgen zu lassen. Am gleichen Abend folgte der nächste Biss an der gleichen Rute. Wieder lag der Köder an der Kante zur Hauptströmung. Ich genoss den Drill des Fisches bei untergehende Sonne als wenn es mein erster gewesen wäre!

Am nächsten Morgen konnte ich die Fische beobachten, wie sie mit ihrem Liebesspiel begannen. Den ganzen Tag klatschte und platschte es! In der restlichen Zeit, bis zu unserer Heimreise, bekamen wir, außer von hungrigen Döbeln, keinen Kontakt mehr. Auch der ersehnte Wallerfang blieb für meinen Angelpartner leider aus.
Auf der Rückfahrt mit dem Boot zur Slipstelle fiel uns noch einmal auf, welch einen traumhaften Karpfenbestand dieser Fluss hat. Bei den Laichorgien war das Ausmaß zu erkennen und wir träumen schon von unserem nächsten Besuch am Duobs!
Wenn das Fernweh kommt!

Stefan Sprenger
WF-Baits

Den Youtubekanal von Stefan Sprenger findet ihr unter www.youtube.com/user/MrYeswecanot