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Fisch mag Futter

Futter – wie viel darf es denn sein?

Nachdem Zeit (Teil 1) und Ort (Teil 2) gewählt sind, kommen wir nun zu einem Teil, dem von vielen Anglern ein unglaublich großer Wert zugemessen wird: Das Futter! Es spielt bei dieser Art der Angelei tatsächlich eine wichtige Rolle. Jedoch ausnahmsweise eher die Quantität als die Qualität. Hiermit ist nicht das Einbringen von absolut minderwertigen Crapbaits gemeint, aber es muss kein Köder für 10 Euro oder mehr sein.

Futter:
Ich fische seit Jahren günstige Fischmehlboilies. Der Preis für das Kilo liegt, je nachdem wo ich sie abrollen lasse, zwischen 2,50 und 3,50 €. Nein, da ist nix “dolles“ drin. Fischmehl, Binder, Eier – Ende! Auf diese Rezeptur habe ich in den letzten Jahren all meine großen Fische in Deutschland gefangen.

Futtermenge:
Normalerweise versuche ich am Anfang meiner Futterkampagne die ausgewählte Angelstelle möglichst schnell zum Laufen zu bringen. Hierbei kommt von Boilies über Grundfutter bis Partikeln alles zum Einsatz, was auf die gegebene Distanz gefüttert werden kann.  Dies zieht im Regelfall immer Fisch auf den Platz. Vom Rotauge bis zum Karpfen frisst dann alles und säubert den Spot von Kraut, kleinen Ästen und Schlamm. Etwa 10-20 Kilo Futter sollten es, angepasst an das Gewässer und den Bestand, schon täglich sein.

Nach einer Woche fische ich den Spot zum ersten Mal um zu sehen, ob er angenommen wurde. Hierbei ist mir total egal wie viele Brassen ich fange und ob ich überhaupt Karpfen fange. Ich fische dann sogar extra Partikel, um zu sehen ob der Platz schon Fisch produziert.

Ist dies der Fall, wird ab Woche zwei meist auf 100% Boilies umgeschwenkt. Maximal  1/3 der Futtermenge strecke ich gelegentlich mit Pellets, wenn der Bestand an Brassen dies zulässt – aber bitte keine Partikel mehr. 10 Kilo am Tag sind dabei das Mindeste, 20 Kilo am Tag das Maximum dessen, was ich bis jetzt zu geben bereit war. Wobei ich mir 100% sicher bin, dass das ein oder andere Mal auch 30 Kilo Boilies pro Tag restlos verschwunden wären. Nach etwa vier Wochen arbeitet so ein Platz dann meist auf Maximalkraft und bringt mitunter unglaubliche Ergebnisse.

Was das bedeutet hängt vom Bestand und der maximalen Fischgröße ab. Wo kein 50er schwimmt wird er auch so nicht ans Band gehen. Aber ich durfte letztes Jahr an einem See durchschnittlich fünf Runs pro Nacht einstreichen, während der Rest mit keinem bis zwei Fischen mehr als zufrieden war.

Wir hatten eine Session, an der wir über ein Wochenende 50 Kilo Boilies verfüttert haben und dabei wurde  nach jedem Run nur etwa 2-3 Kilo pro Rute großflächig nachgefüttert. Ich weiß, dass viele mit dieser Menge über das Jahr kommen. Die Frage, die sich stellt: fangen die an einem langen Wochenende auch mehr als 15 Fische über 15 Kilo?

In der Vergangenheit hatten wir legendäre Sessions mit teilweise wirklich beeindruckenden Ergebnissen.

Zum ersten Mal wirklich gefischt wird dann frühestens nach insgesamt 14 Tagen. Das „Anfischen“ nach einer Woche wird nicht mitgezählt. So lange sollen die Fische Zeit bekommen sich zu mästen und  einzugewöhnen.

Fischt man den Platz nun etwa alle drei Tage, so hält normalerweise die Bissfrequenz so lange wie weiter gefüttert wird. Sollte diese stark nachlassen, einfach eine Woche nicht fischen, nur füttern. Danach lief es bis jetzt immer wieder rund.

Schlussgedanken:
Jeder der rechnen kann, weißwas da so an Geld in den Teich geht. Ob man das machen will, muss jeder selbst entscheiden. Mit einem Partner lässt sich sowohl das Füttern als auch der finanzielle Aspekt viel einfacher stemmen und ob man solch eine Aktion auf vier Wochen oder vier Monate auslegt, ist dem Willen und den Finanzmitteln des Einzelnen geschuldet.

Niemand muss so fischen. Der Boilie mit einer Hand voll Futter fängt auch Fische. An einem See mit ultradünnem Bestand ist die Methode auch fraglich bzw. setzt sie genaueste Gewässerkenntnis voraus und die Mengen sind anzupassen. An einem See mit einem gesunden Bestand schlägt diese Methode jedoch alle anderen um Lichtjahre.

Der Grund warum dieses Prinzip nie bis selten propagiert, aber in Wirklichkeit weit häufiger von einigen Leuten eingesetzt wird, ist nicht dass diese Leute ein Geheimnis bewahren wollen (irgendwer will immer die Aufmerksamkeit) sondern schlicht, dass es fast überall verboten ist.  Der Grund warum so oft dagegen gesprochen wird, ist meiner Meinung nach folgender.

Zum einen scheuen viele Leute den zeitlichen und finanziellen Einsatz, zum anderen lassen sich viele vom “Geschwätz“ einiger Schreiberlinge beeinflussen. Immer wieder liest man Sätze wie „Die Fische werden bei großen Futtermengen vorsichtig oder scheuen große Futterplätze“. Meiner Meinung nach gibt es in ganz Deutschland gerade mal eine Hand voll Seen, die wirklich Angeldruck erleiden. An welchem See sind denn auch unter der Woche mehr als die Hälfte aller Swims belegt? Oder umgekehrt –  an welchem See gibt es keine Stelle auf der fast nie gefischt wird, aus welchem Grund auch immer. Auf den Versuch kommt es an, denn der Grund warum in England selten große Futterkampagnen gefahren werden ist schlicht und ergreifend der, dass man fast nie sicher sein kann den Platz regelmäßig zu füttern bzw. dann auch zu befischen. Es liegt aber nicht daran, dass man auf der Insel nicht um die Kraft von Futter bescheid weiß. Dort schließen sich Angler oft zu Futtergemeinschaften zusammen. Eine Gruppe von Anglern füttert regelmäßig an unterschiedlichen Plätzen dieselben Boilies, um die Fische auf diese Futterquelle zu trainieren. Bei fünf Leuten, die täglich zwei Kilos einbringen kommen dann auch zehn Kilo zusammen.

Wie schon gesagt: auf den Versuch kommt es an. Ich würde heute lieber einmal im Jahr eine Futteraktion über 6-8 Wochen durchziehen und dafür den Rest des Jahres Singles an guten Spots  fischen, als das obligatorische Kilo auf einen Platz zu werfen, welches nicht einmal reicht, um einen Fisch von 15 Kilo länger als eine halbe Stunde am Platz zu halten.

Fett füttern für fettes Fischen – in diesem Sinne – Euer Marc!

Datum
21. April 2013
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