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10-Testzone - Uferzone

Testzone

Fast jeder ambitionierte Karpfenangler weiß, dass für den konstanten anglerischen Erfolg mehr als nur viel Zeit und ein paar Kilo Boilies notwendig sind.
Denn neben der Futtertaktik, dem Material auf den letzten Metern und der Köderpräsentation, ist insbesondere eine gute Gewässerkenntnis entscheidend.
Futter und Tackle nützen bekanntermaßen wenig, wenn man sprichwörtlich „am Fisch vorbei angelt“. Viel wichtiger ist es also, die produktiven Stellen eines Gewässers zu finden und das Futter, sowie die verwendeten Komponenten darauf abzustimmen.

Bei kurzen Ansitzen, wie es bei uns die Regel ist, kann man es sich kaum leisten Neues auszuprobieren. Daher versuchen wir in längeren Sessions die wichtigsten Faktoren aufeinander abzustimmen, um uns die Resultate auch für kurze Angelnächte zu Nutze zu machen und somit insgesamt die Produktivität unserer Angelei zu steigern.
Für unser Vorgehen, welches wir euch im Rahmen dieses Berichtes näher bringen möchten, haben wir einen mittelgroßen Baggersee mit sehr klarem Wasser ausgewählt. Bedingt durch die gute Sichtweite im Wasser fressen die Karpfen hier besonders vorsichtig. Dank Schnorchelausrüstung haben wir die Möglichkeit einen Blick unter die Wasseroberfläche zu werfen, in der Hoffnung zu wertvollen Erkenntnissen zu gelangen. Perfekte Voraussetzungen für einige Teststellungen!

UFERNAH & STEILHANG
Der von uns beangelte Baggersee weist eine monotone Struktur mit Maximaltiefen bis zu 17 Metern auf und bietet nur wenige Hotspots. Flachwasserzonen gibt es kaum und die Uferzonen bestehen größtenteils aus verkrauteten Bereichen. Das natürliche Nahrungsangebot für die Karpfen ist immens. Zum einen gibt es reichlich Krebse in Steinabbrüchen, im Kraut und an den steilen Uferkanten, sowie eine hohe Anzahl an Muscheln in sandigen Uferzonen. Neben der natürlichen Nahrung sorgt der geringe Bestand an Karpfen dafür, dass die Angelei an dem See nicht einfach ist.

Vier Tage haben wir vor uns. Das Wetter ist, für Juli, leider mehr als bescheiden und der Umstand der erst kürzlich beendeten Laichzeit sorgt ebenfalls für bescheidene Erwartungen.
Zu Beginn unserer Session setzen wir uns an eine zentral gelegene Stelle, von der aus wir, auf einer Distanz von 100-300 Metern, unterschiedlichste Stellen befischen können. Es beginnt bei kleinen Krautlöchern, 2-3 Meter vom Ufer entfernt, und hört bei langen auslaufenden Bänken, in 8-9 Meter Tiefe, auf. Plateaus und Bänke inmitten des Sees gibt es kaum, und wenn, reichen sie von 17 Meter auf 12 Meter und liegen damit im Juli erfahrungsgemäß zu tief. Somit konzentrieren wir uns auf die ufernahen Regionen. Fast an jedem der Plätze versuchen wir unterschiedliche Futtertaktiken und Präsentationen zu testen. Ein Vorfüttern war für uns aus zeitlichen Gründen nicht möglich und ist auch nicht notwendig. Schließlich möchten wir die Unterschiede der verschiedenen Herangehensweisen direkt feststellen, was ‚instant’ besser mögich ist.

Da es sich bei den Spots zum Großteil um ufernahe Krautlücken handelt, befischen wir diese vereinzelt mit einer Subfloat-Montage. Besonders wenn man am eigenen Ufer von einem Boot ablegt, ist das eine unschlagbare Methode, um die Hauptschnur von Unterwasserhindernisse fernzuhalten. Vor die Hauptschnur haben wir ca. 5-6 Meter Kontour geschaltet, ein Fluorocarbon Material, um die senkrecht hochstehende Schnur nahezu unsichtbar zu halten. Es ist jedoch wichtig die Schnur auch an klaren Gewässern vor jedem Auswerfen, sowie während des Einholens mit einem Tuch abzuwischen. So beugt man Ablagerungen, welche die Schnursichtbarkeit beeinflussen, vor.
An den restlichen Ruten benutzen wir normale Camo Leader. Neben der farblichen Anpassung an die Unterwasserwelt sind diese Poly-Leader besonders abriebsfest und legen sich gut auf den Gewässergrund.

OHNE DRUCK
Was bei unserer Beobachtung unter Wasser gleich ins Auge fällt, ist wie wichtig es ist, die Schnüre ordentlich abzusenken. Selbst auf große Entfernungen kann ein vermeintlich leichter Swinger die Schnur bis zum Leader anheben. Daher benutzen wir seit längerem nur noch leichte Hänger und Bobbins. Wir spannen nach dem Ablegen vom Boot erstmal vorsichtig die Schnur ohne das Blei zu verziehen, bevor wir wieder 2-3 Meter Schnur geben, damit sie sich flach absenkt. Selbst auf lange Distanz können wir keine Nachteile feststellen. Wenn sich ein Karpfen hakt und der Haken gut im Fischmaul sitzt, ist es im Prinzip egal, ob die Bissindikation ein paar Sekunden später kommt.
Wenn leichte Bobbins und eine schlaffe Hauptschnur (Slackline) nicht ausreichen, senken wir die Schnüre zusätzlich mit Backleads ab. Dies handhaben wir selbst auf lange Entfernungen nach diesem Prinzip, außer vor Hindernissen, wo es auf eine direkte Bissanzeige ankommt. Swinger und gestraffte Schnüre versuchen wir so gut es geht zu vermeiden.

KEEP IT SIMPLE
Beim Futter halten wir unser Vorgehen einfach. Gefüttert werden die Spots ausschließlich mit Boilies und Tigernüssen. Lediglich an 1-2 Ruten kommen Micropellets zum Einsatz. Einige der Plätze legen wir sehr konzentriert an, an größeren krautfreien Stellen streuen wir wiederum. So können wir unterschiedliche Bedingungen schaffen. Wobei wir hinterher feststellen werden, dass die mittelgroßen Futterstellen besser laufen.
Große Futterplätze mit weit gestreuten Boilies machen, nach unseren Erfahrungen, in flachen Gewässern mit einer durchgehenden Tiefenstruktur Sinn. An Kiesseen mit steilen Uferhängen können wir feststellen, dass die angesteuerten Fressplätze selektiv von den Karpfen aufgesucht werden.
Oftmals entpuppen sich vermeintlich interessante Plätze als eine Niete, während die Fische an kleinen unscheinbaren Plätzen viel öfter in die Falle tappen.

Die Länge unserer Rigs passen wir der jeweiligen Futtertaktik an. 15-20cm bei den normalen Montagen, 20-40cm bei den Ruten mit Subfloat-Montage, damit der nach Futter suchende Karpfen weitgehend fern der senkrechten Schnur bleibt. Als Vorfachmaterial kommt das relativ neue N-Trap Soft, in den Farben Gravel Brown und Weedy Green, zum Einsatz, mit einem einfachen Kaptor Kurv Shank Haken und etwas Rig-Putty. Zum Großteil binden wir unsere Rigs nach dem KD-Prinzip mit einer kleinen Abwandlung. Ohne Schrumpfschlauch bekommt man hierdurch schon eine aggressivere Biegung (siehe Bild).

Tipp:
Das kritische Ausbalancieren von Pop Up’s kann man sich unserer Meinung nach getrost sparen. Immer wieder sehen wir, wie Angler am eigenen Ufer die Köder ins Flachwasser legen um den Pop Up kritisch auszubalancieren. Was viele dabei vergessen, ist die Tatsache, dass an der späteren Angelstellen durch die größere Tiefe völlig andere Druckverhältnisse herschen. Aufgrund des Wasserdrucks kann aus einen im flachen Uferwasser auftreibender Köder, ein ausbalancierter oder sinkender Köder werden. Zudem verringern viele Pop Up’s schon nach einiger Zeit ihren Auftrieb.
Aufgrund dieser Faktoren verzichten wir also inzwischen auf ein langwieriges ausbalancieren und nutzen die Zeit lieber, um die Ruten etwas früher auszulegen.

ON THE RUN
Während der ersten zwei Tage, gewinnen wir den Eindruck, als würden sich fast alle Fische in einem kleinen Teil des Sees aufhalten. Dieser Teil ist aufgrund eines steilen Winkels allerdings nur mit einer Rute befischbar – ein Spot mit 4-5 Meter Tiefe und sandigem Boden ca. 100m seitlich von unserem Platz, umgeben von dichten Feldern Laichkraut. Obwohl wir auf diese Rute konstant Fische fangen beschließen wir bereits nach der zweiten Nacht den Platz zu wechseln. Damit wollen wir erreichen, dass auch unsere anderen fünf Ruten besser liegen und wir somit effektiver angeln können. Vom gegenüberliegenden Ufer erhoffen wir uns mit unseren Montagen direkter an die bisher schwer zugänglichen Uferspots zu gelangen – was sich auch als richtig erweist.

Auch wenn der Aufwand hoch ist, so ist so ein Platzwechsel oftmals eine lohnende Maßnahme die den ein oder anderen Bonusfisch mit sich bringt. Am neuen Spot konnten wir die Taktik, welche schon am ersten ufernahen Spot aufging, direkt auf mehrere neue Stellen anwenden. Allesamt lagen sie dicht am Ufer in 3-5 Meter Tiefe und auch hier füttern wir nur sparsam und konnten so in den verbleibenden zwei Tagen noch weitere Fische fangen.
Es scheint als laufen die kleinen ‚Fallen‘ besser als Spots die sonst eher großflächig gefüttert werden – zumindest an diesem See!